Konrad David • Gerechter unter den Völkern

"Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch." Friedrich Hölderlin

Der gebürtige Schlesier, Konrad David wurde am 30. März 1910 in Ole?nica geboren, zog aber schon als Kind mit seinen Eltern ins Deutsche Reich, doch wuchs er zweisprachig auf, was in der damaligen Zeit eher selten war. So sprach er Polnisch so gut wie Konrad-David-1Deutsch, was ihm später zum Vorteil gereichte. Nach seinem Abitur machte er eine kaufmännische Ausbildung, da das Geld für ein Studium nicht ausreichte. Obwohl er in der Zeit des Nationalsozialismus kein Parteimitglied war, arbeitete er sich schnell hoch und war bereits mit 25 Jahren Abteilungsleiter in einer angesehenen Firma. Er stand der NSDAP nicht unbedingt ablehnend gegenüber, begrüßte sogar einige Intentionen der Partei, doch die Gewaltbereitschaft stieß ihn eher ab. So verhielt er sich, wie so viele Volkdeutsche seiner Zeit, eher politisch neutral. Für eine ganz kurze Zeit hatte er auch Kontakt mit der Gestapo, da diese vermutete, dass sein Ariernachweis gefälscht sein könnte, denn sein Nachname wirkte eher ‚jüdisch’. Doch war dies nur eine kurze Episode und ein rein ‚bürokratischer’ Akt, denn er konnte lückenlos darstellen, Arier zu sein. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Konrad David in die Reichswehr eingezogen, doch bereits 1943 wegen seines schlechten Gesundheitszustands, der ihn sein Kindheitstagen begleitete, wieder entlassen. Nach seiner Entlassung leitete er eine Spezial-Baueinheit bei Lwów im damaligen Ostpolen. Lwów, der polnische Städtenamen für die heutige Stadt Lwiw, in der Ukraine, wurde unter deutscher Besatzung wieder Lemberg genannt, wie zu Zeiten der österreichischen Herrschaft vor dem Ersten Weltkrieg. Die Aufgabe dieser Baueinheit war es, den nach einem Bombenangriff beschädigten Luftwaffenstützpunkt zu reparieren. Konrad David hatte in dieser Einheit vornehmlich Zwangsarbeiter, zumeist Polen und russische Kriegsgefangene. Er leitete die Einheit konsequent und effizient, doch zeichnete er sich dadurch aus, dass in seiner Bau-Einheit keine Gewalt ausgeübt wurde, was zwar die Zwangslage der Arbeiter nicht erleichterte, aber sie waren zusätzlicher Drangsal ihres Vorgesetzten nicht ausgeliefert, wie es in anderen ähnlichen Einheiten war. Diesem Bautrupp war seitens des Arbeitsamts eine polnische Köchin, Frau Gogatko, zugeteilt worden, die mit ihrer fünfjährigen Tochter in einer Frauenbaracke lebte. In Wirklichkeit war Frau Gogatko eine Überlebende des Ghettos von Lemberg, die sich nach ihrer Flucht eine polnische, ‚arische’ Identität zugelegt hatte. Doch sie wurde von einer Polin erkannt und diese drohte ihr, sie bei der Gestapo anzuzeigen. Die Situation war fast ausweglos, so vertraute sich ihrem Vorgesetzten Konrad David unter Tränen an und teilte mit ihm nun ihr Geheimnis ihrer jüdischen Abstammung. Sofort organisierte er einen Unterschlupf in einer leer stehenden Wohnung eines Vorgesetzten für die Frau und das Kind. Doch nach einiger Zeit wurde Frau Gogatko leichtsinnig und ging mit ihrer Tochter wieder raus, wurde von einer Ukrainerin erkannt, denunziert und von der Gestapo verhaftet. Konrad David ging sofort zum entsprechenden Leiter der Gestapostelle und forderte die Herausgabe der Frau. Dabei setzte er seine Autorität als Sonderbevollmächtigter einer ‚kriegswichtigen’ Baueinheit ein. Er hatte Erfolg und Frau Gogatko samt Tochter wurde entlassen, zog wieder in die Frauenbaracke ein, doch wurde es immer schwieriger für Konrad David die Frau zu schützen. Kurz nach Weihnachten 1944 kam ihm die Idee Frau Gogatko als seine persönliche, polnische Haushälterin nach Deutschland zu verbringen. Alle Anträge dahingehend wurden positiv beschieden, so dass Frau Gogatko mit ihrer Tochter als Zwangarbeiterin nach Deutschland verbracht werden durfte und am Tag der Abreise hatte Konrad David noch so viel zu tun, dass er den Zug, in dem die Frau und ihre Tochter bereits saßen, verpasste. Durch diese Trennung und die Kriegswirren verloren sie sich völlig aus den Augen. Keiner wusste mehr um das Schicksal des anderen.

Erst 1966 sahen sie sich wieder. Frau Gogatko, nun verheiratete Körner, hatte mit Hilfe des Deutschen Roten Kreuzes nach Konrad David suchen lassen und konnte ihn in Algermissen in der Nähe von Hildesheim ausfindig machen. Das Wiedersehen war für beide unbeschreiblich, die Freude, dass sie überlebt haben und sich damals wohlbehalten gegenüber saßen, war für beide kaum in Worte zu fassen. Die beiden und ihre entsprechenden Familien verließen sie nie wieder aus den Augen, alle verbanden und verbindet noch heute eine Freundschaft, obwohl die Jüngeren äußerst entfernt voneinander leben.

Am 26. Juni 1980 erkannte Yad Vashem Konrad David als ‚Gerechten unter den Völkern’ an, eine Ehrung, die er unter Tränen annahm.