Edith Hauer-Frieschmuth • Gerechte unter den Völkern

Autor Rena Jacob

"Freiheit sich schaffen und ein heiliges Nein auch vor der Pflicht: dazu, meine Brüder bedarf es des Löwen!" Friedrich Nietzsche

Die Wienerin Edith Hauer-Frieschmuth lebte, für eine Frau ihrer Zeit, ein recht normales Leben. Sie hatte einen großen Familienkreis, Bekannte und Freunde und sie war die Arzt-Ehefrau, die sich ihr Mann an seiner Seite wünschte. Manchmal half sie ihrem Edith-Hauer-Frieschmuth-Ehrung-durch-Yad-Vashem-IMann in der Praxis, doch meistens hielt sie ihm den Rücken frei, um ihm das Heim zu bieten, das er sich wünschte. Doch Edith Hauer-Frieschmuth war nicht nur die Frau an der Seite ihres Mannes, sie interessierte sich auch für andere Dinge, vor allem interessierten sie politische Zusammenhänge, ein Bereich, den die Frauen ihrer Familie bis vor dem Ersten Weltkrieg für sich ausklammerten. Ihr Mann sah es gern, in ihr eine adäquate Gesprächspartnerin zu haben; doch der Faschismus der frühen 30iger Jahre in Österreich verhinderte, dass sie politisch aktiv wurde, denn die aktive Arztfrau lehnte jegliche Ausgrenzungen anderer strikt ab. Nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich im März 1938 und den entsprechenden nun geltenden Nürnberger Gesetzen, galt Edith Hauer-Frieschmuth als ‚Vierteljüdin’, da ihre Großmutter väterlicherseits Jüdin war. Sie wurde dadurch auf ein Problem gestoßen, dass ihr zuvor nie bewusst geworden war. Natürlich wusste sie, dass ihre Oma Jüdin war, genauso wie einige Freunde und Bekannte von ihr, doch dass das ein Problem gewesen sein könnte, war ihr nie bewusst geworden. Zwar hatte sie schon vor dem sogenannten Anschluss von antisemitischen Ausfällen gehört, doch tat sie diese als ‚Dummheit’ ab, problematisiert hatte sie dies Thema nie. Entsprechend der Nürnberger Gesetze war sie als ‚Vierteljüdin’ recht geschützt, da sie mit einem ‚Arier’ verheiratet war und auch keiner jüdischen Gemeinde angehörte. Doch das galt nicht für Bekannte und Freunde von ihr. Doch wie das so ist bei einem recht großen Bekanntenkreis, so hatte sie auch solche, die sich nach kürzester Zeit in den Leitstellen der Gestapo wieder fanden. Einen Umstand, der sie nicht bewegte sie Bekanntschaften zu lösen, sondern diese zu nutzen. Sie hatte eine kleine Untergrundorganisation geschaffen, die verfolgten Juden die entsprechenden Ausreisepapiere besorgte. Bei Besuchen bei der Gestapo, die sie als ‚freundliches Vorbeischauen’ tarnte, stahl sie offizielle Stempel und Blankopapiere, aber auch manchmal Deportationslisten um andere vorzuwarnen. Einmal ließ sie auch einen ganzen Schwung an Akten mitgehen, so dass sie auch gefährdeten Menschen eine Warnung zukommen lassen konnte. Eine ihrer Mitarbeiterinnen in ihrer Organisation, war ihre beste Freundin Monika Taylor, die als Jüdin galt, da ihr Vater Jude war. Als ihre beste Freundin sie 1942 zuhause besuchte, kam die SS um Monika Taylor zu verhaften. Edith Hauer-Frieschmuth stellte sich den SS-Männern couragiert entgegen, so dass ihre Freundin fliehen konnte, und verwickelte diese so in ein Gespräch, dass sie die Männer davon überzeugen konnte, dass sie in einem falschen Haushalt waren und schickte sie in eins der Nebenhäuser in ihrer Straße. Über den Kontakt mit der arischen Mutter Monikas fand sie ihr Versteck und suchte für ihre Freundin eine sichere Bleibe, die sie auch fand. Während der gesamten Zeit versorgte sie ihre Freundin im Versteck mit Nahrungsmitteln und allem anderen, was nötig war. Doch nicht nur ihrer Freundin Monika half sie, nein, sie arbeitete weiter um andere Juden vor der Deportation in die Vernichtungslager zu retten. Manchmal überredete sie ihren Mann auch ärztliche Hilfe zu leisten, was dieser auch tat, doch wollte er aktiv an ihren Unternehmungen nicht teilhaben. Ende 1944 wurde es auch für Edith Hauer-Frieschmuth eng, denn die Gestapo kam ihr langsam auf die Schliche, so musste auch sie sich verstecken, doch bevor sie aus Wien wegging, versorgte Edith-Hauer-Frieschmuth-Ehrung-durch-Yad-Vashem-300x206sie ihre Freundin Monika so, das sie die nächsten Monate bedenkenlos überleben konnte. Sie selbst ging zu Verwandten nach Alt-Aussee in Oberösterreich und nachdem sie sich umgehört hatte, arbeitete sie dort in einer von England unterstützten Widerstandsgruppe mit. Wieder nahm sie Kontakt mit Leuten der Gestapo auf, wieder stahl sie Stempel und aktuelle Papiere, wieder versorgte sie versteckte Juden. Nach einem Bombenangriff in Wien wurde es für ihre Freundin zu gefährlich unentdeckt in Wien zu bleiben, so sorgte sie dafür, dass ihre Freundin Monika zu ihr nach Alt-Aussee kam. Einmal nahm Edith Hauer-Frieschmuth an einer äußerst gefährlichen Aktion der Widerstandsgruppe teil, sie nahmen den Ersten Sekretär des ansässigen Gauleiters und drei Gestapo-Mitarbeiter gefangen und brachten sie unter Drohungen dazu, geheime Informationen preiszugeben und weiter für die Gruppe zu arbeiten.

Die Befreiung durch die Alliierten vom System der Nationalsozialisten, war für Edith Hauer-Frieschmuth und ihre Freunde und Mitstreiter eine wahrhaftige Befreiung. Sie ging nach Wien zurück zu ihrem Mann und auch Monika Taylor ging zurück nach Wien, blieb dort auch nachdem sie geheiratet hatte.  

Am 14. Juni 1998 wurde Edith Hauer-Frieschmuth von Yad Vashem die Auszeichnung ‚Gerechte unter den Völkern’ verliehen. Viele Freunde und Bekannte hatten mit ihrer Aussage dafür gesorgt, da sie selbst nie einen Dank annehmen wollte. Die 1913 in Wien geborene Edith verstarb hochverehrt am 1. Januar 2004.