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Shoah in Lettland • KZ Kaiserwald & Lager Salaspils

 

Nach der Besetzung des Baltikums im Sommer 1941 wurden bald auch hier nationalsozialistische Terrorstrukturen aufgebaut. Die baltischen Länder Estland, Lettland und Litauen, die gemäß dem Hitler-Stalin-Pakt ab Mitte 1940 der Sowjetunion angegliedert worden waren, wurden unter deutscher Besatzung im sog. Reichskommissariat "Ostland" zusammengefasst. Noch bevor Konzentrationslager etabliert wurden, hatten sich alle jüdischen Einwohner innerhalb weniger Wochen nach der Besetzung in zugewiesenen Ghettoterritorien der Großstädte einzufinden. Bekannt sind die Judenghettos von Wilna (Vilnius), Kauen (Kaunas) und Riga. Noch 1941 wurden zehntausende Juden des Baltikums ermordet. Ebenso wie tausende deutsche und österreichische Juden aus Großstädten des Deutschen Reiches.

Im Baltikum fanden damals die ersten Massenerschießungen von deutschen Juden überhaupt statt. 

 

 

 

Konzentrationslager Kaiserwald

Das Konzentrationslager Kaiserwald war ein nationalsozialistisches Konzentrationslager in Lettland, im Norden Rigas. Das Lager wurde von Eduard Roschmann, dem „Schlächter von Riga“, geleitet, der vorher bereits das Rigaer Ghetto führte. Das Lager wurde im März 1943 errichtet, um jüdische Einwohner der besetzten baltischen Gebiete gefangen zu halten. Insbesondere wurden hier ab Juni 1943 die Überlebenden des Ghettos Riga und der Ghettos in Liepāja, Daugavpils und Vilnius interniert. Zu den ersten Insassen des KZs zählten auch einige hundert Sträflinge aus Deutschland. Nach der Besetzung Ungarns durch die Deutschen wurden ungarische Juden nach Kaiserwald verbracht, ebenso eine Anzahl von Juden aus dem Ghetto in Łódź. Im Mai 1944 befanden sich 11.878 Gefangene im Stammlager und seinen Außenlagern, davon 6.182 Männer, 5.696 Frauen und lediglich 95 Nicht-Juden.

Das KZ Kaiserwald war ein Arbeitslager vieler Deutscher Firmen, wie unter vielen anderen der AEG. Hier wurde ganz auf die Vernichtung durch Arbeit gesetzt. Von Lebensbedingungen im Konzentrationslager Kaiserwald zu sprechen, spräche dem Wort ‚Leben’ Hohn, denn die Unterbringung der Menschen erfolgte in baufälligen Scheunen und die Ernährung war so konzipiert, dass das Verhungern der Menschen ins Kalkül gezogen wurde. Es gab durchaus Pläne von Himmlers Seite aus, das KZ Kaiserwald zu einem Arbeits- und Vernichtungslager ‚auszubauen’; die Vorhaben wurden wegen des Vorrückens der Roten Armee nicht mehr in die Tat umgesetzt.

Ab September 1944 begannen die Deutschen das Lager zu räumen. Arbeitsfähige Juden wurden ins Konzentrationslager Stutthof transportiert, arbeitsunfähige fielen Massenerschießungen zum Opfer. Die Rote Armee befreite das KZ am 13. Oktober 1944.

Dem Konzentrationslager Kaiserwald unterstanden ca. 20 Außenlager.

 

Lager Salaspils

Ende 1941 wurde 18 km südöstlich von Riga das Polizeigefängnis und Arbeitserziehungslager Salaspils errichtet. Es wurde auch als Lager Kurtenhof nach einem Gutshof nördlich von Salaspils geführt. Planungen für den Ausbau des Lagers und dessen Häftlingsstruktur änderten sich mehrfach. Heinrich Himmler erwog auch hier das Lager zum Konzentrationslager umzuwandeln und dem Reichssicherheitshauptamt zu unterstellen, doch dazu kam es nicht. SS-Sturmbannführer Rudolf Lange, zunächst der Einsatzgruppe A beigeordnet, ab Dezember 1941 Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD und kurz darauf Teilnehmer der Wannseekonferenz, plante im Oktober 1941, in Salaspils eine Polizeihaftstätte und ein Lager für deutsche Juden einzurichten. Im Auftrag von Rudolf Lange richtete ab Oktober 1941 SS-Obersturmführer Gerhard Maywald zwanzig Kilometer südöstlich von Riga in der Nähe der Düna das Arbeitslager Salaspils ein. Der Ort war durch die Eisenbahnverbindung Riga – Daugavpils gut erreichbar; die Häftlinge sollten beim Torfabbau eingesetzt werden. Auch sämtliche „in Riga und Lettland übrig gebliebene Juden“ sollten hier konzentriert werden, wobei Männer und Frauen getrennt werden sollten, um „eine weitere Vermehrung zu verhindern“.

Überraschend eintreffende erste Transporte mit deutschen Juden, die im Oktober 1941 vom ursprünglichen Zielort Minsk nach Riga umgeleitet worden waren, konnten noch nicht in Salaspils aufgenommen werden und wurden notdürftig im KZ Jungfernhof oder wenig später im „freigemachten“ Ghetto Riga untergebracht. Das Lagergelände wurde im Oktober 1941 von sowjetischen Kriegsgefangenen aus dem Salaspilser Zweiglager Stalag 350/Z des Rigaer Stammlagers 350 und von deportierten tschechischen sowie wenigen deutschen Juden vom KZ Jungfernhof planiert. Mitte Januar 1942 arbeiteten beim Ausbau des Lagers mindestens 1.000 Juden mit, die größtenteils aus dem Ghetto Riga herbei geschafft waren. Unzureichende Unterbringung und sanitäre Verhältnisse, Mangelernährung und strenge Kälte verursachten eine außerordentlich hohe Sterblichkeit. Im Herbst 1942 bestand das Lager aus 15 von 45 geplanten Baracken, in denen 1.800 Häftlinge untergebracht waren. Das „erweiterte Polizeigefängnis und Arbeitserziehungslager“ war nach eigenem Bekunden Langes einem deutschen Konzentrationslager vergleichbar „sowohl hinsichtlich der Gestaltung des Arbeitseinsatzes und der Behandlung der Häftlinge, wie auch hinsichtlich der Art der Häftlinge.“ Ende 1942 befanden sich dort hauptsächlich politische Gefangene, die zuvor ohne Gerichtsurteil durch Schutzhaftbefehl in das Rigaer Zentralgefängnis eingewiesen worden waren, außerdem internierte Ausländer sowie lettische Rückkehrer aus altrussischem Gebiet, die politisch überprüft werden sollten. Ferner saßen „Arbeitserziehungshäftlinge“ und straffällig gewordene Angehörige der Schutzmannschaften dort ein. Im Lager befanden sich nur noch zwölf Juden; viele waren verstorben oder entkräftet nach Riga zurückgebracht worden.

Als Folge der zwischen Januar bis März 1943 durchgeführten „Bandenbekämpfungsaktion“ im lettisch-russischen Grenzgebiet wurden 2.288 Personen nach Salaspils verschleppt, das zu dieser Zeit mit 1.990 Häftlingen belegt war. Unter den neu eingewiesenen Personen befanden sich etwa 1.100 so genannte „Bandenkinder“, die größtenteils ohne ihre erwachsenen Angehörigen aufgegriffen worden waren. Die Kinder sollten in Heime und Waisenhäuser verlegt werden; arbeitsfähige Jugendliche sollten auf Bauernhöfe vermittelt werden. Wegen einer Fleckfieberinfektion und einer Lagersperre verblieben diese Kinder jedoch längere Zeit in völlig verwahrlostem Zustand in einer gesonderten Baracke im Lager Salaspils, wo „mehrere hundert eines elenden Todes starben.“ Nach Angaben einer sowjetischen „Außerordentlichen Staatskommission zur Untersuchung der deutsch-faschistischen Verbrechen“ von 1946 sollen hingegen im „Kinderlager“ von Salaspils etwa 12.000 Kinder inhaftiert gewesen sein, von denen mindestens 7.000 jüdische Kinder benutzt wurden, um deren Blut als Konserven in deutschen Lazaretts einzusetzen.

Diese Behauptungen hinsichtlich der Opferzahlen konnten von Historikern nicht verifiziert werden. Das Alltagsgeschehen in Salaspils ist auch durch neue Forschungen „schwer rekonstruierbar“.  Vermutlich haben in der Zeit seines Bestehens 12.000 Häftlinge das Lager durchlaufen. Neben den deutsch-jüdischen Opfern während der Aufbauphase kamen weitere 2.000 bis 3.000 Menschen hier um, wobei der Anteil von Kindern und Jugendlichen aus den „Bandengebieten“ besonders hoch sein soll. Ein Grund für die unterschiedlichen Angaben zu den Opferzahlen kann darin bestehen, dass in Salaspils zwei Lager existierten.

 

In Salaspils existiert eine Mahn- und Gedenkstätte.

Karte v. Riga – Quelle: stepmap.de · Foto des KZ Kaiserwald – Quelle: lwl.org · Foto des Lagers Salspins – Quelle: blogspot.com

 

Diese Personen sind mit der Seite »Index der Täter« verlinkt. 

➼ Eduard Roschmann   Rudolf Lange   ➼ Gerhard Maywald



 
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